Depressionen bei Kindern

Depressionen werden oft nicht erkannt

Kinder und Jugendliche können, ebenso wie Erwachsene, an Depressionen leiden. Doch Anzeichen wie Lustlosigkeit, Niedergeschlagenheit oder gar die Rede von Selbstmord erkennen Eltern häufig nicht als Depression. Dabei ist fachkundige Hilfe dringend nötig und in den meisten Fällen erfolgreich.

Depressionen bei Kindern
© Crystal Kirk

Wenn Kinder sehr schnell aggressiv werden oder ihre Leistungen in der Schule plötzlich abfallen und sie sich vielleicht immer mehr zurück ziehen, können das ernsthafte Anzeichen einer Depression sein. Doch häufig übersehen Eltern, aber auch Ärzte diese Symptome. „Die Folge ist oft eine viel zu späte fachkundige Behandlung“, sagt Dr. Meryam Schouler-Ocak. Sie ist Leiterin des Berliner Bündnisses gegen Depressionen, das die Zusammenarbeit von Berliner Hilfe-Einrichtungen für Menschen mit Depressionen forciert. Die Ärztin rät, Hinweise auf Depressionen bei Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen. Immerhin erkranken zwei von 100 Kindern im Vor- und Grundschulalter daran. In der Pubertät liegt die Häufigkeit sogar noch höher.

Sympthome bei Depressionen richtig deuten

Doch wie können Eltern Depressionen bei ihren Sprösslingen überhaupt erkennen? Das ist in den meisten Fällen sehr schwierig, denn gerade im Kindesalter sind die Symptome stets unterschiedlich. „Bei jüngeren Kindern ist es besonders wichtig, ihr Spiel-, Ess- und Schlafverhalten zu beobachten“, sagt Meryam Schouler-Ocak. Wenn die Kleinen Schlafstörungen haben oder einfach nicht mehr spielen wollen, kann das jeweils ein erstes Signal sein. Wenn Sie Ärzte suchen, die sich mit Schlafmedizin beschäftigen, so werden Sie in unserem Firmenverzeichnis auf www.branchen-baer.de bestimmt fündig werden.

„Bei älteren Kindern muss zusätzlich auch der Umgang mit Leistungsanforderungen beachtet werden“, fügt die Ärztin der Berliner Charité hinzu. Hinweis für mögliche Depressionen sind hier zum Beispiel plötzliche Einbrüche der Schulnoten. Besonders schwierig wird es für Eltern, deren Kinder im Pubertätsalter stecken. Denn „normale“ Traurigkeit und Depressionen sind am Verhalten häufig kaum zu unterscheiden. Meryam Schouler-Ocak rät, auch Lehrer oder Kindergärtnerinnen zu befragen, ob sie Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern beobachten. „Letztlich können nur Fachärzte und Psychotherapeuten die Diagnose sicher stellen“, ergänzt sie. Daher sollten sich Eltern an ihre Hausärzte wenden, die sie dann weiter vermitteln.

Für eine Behandlung ist es immer wichtig die Auslöser für Depressionen zu kennen. Im Falle von Kindern- und Jugendlichen streitet sich die Fachwelt dazu allerdings. „Auslöser können – müssen aber nicht – frühkindliche Erfahrungen sowie aktuell Tod oder Trennung in der Familie sein“, erklärt Meryam Schouler-Ocak. Wenn Eltern bereits depressiv sind, kann sich das ebenfalls auf die Kinder auswirken. Das sind jedoch nur wenige Möglichkeiten von unzähligen weiteren. Sicher ist sich die Ärztin, dass gesellschaftliche und soziale Faktoren einen verstärkenden Einfluss auf die seelischen Krankheiten von Kindern und Jugendlichen haben. Soziale Ungleichheit, hohe Leistungsanforderungen oder ein Migrationshintergrund gehören dazu. Auch die Vernachlässigung der Kinder in der Erziehung fördert Depressionen.

Psychotherapie - Sinnvolle Behandlung gegen Depressionen

Falsch ist es dann, den Kindern zu sagen, sie sollen sich „zusammenreißen“, warnt Meryam Schouler-Ocak. Sie rät zur Behandlung durch eine Psychotherapie, auch wenn viele Betroffene und ihre Familien Angst haben als „verrückt“ abgestempelt zu werden. Dabei gibt es, gute Aussichten auf Erfolg, sagt sie. In den meisten Fällen werden die Familien der depressiven Kinder in die Therapie mit einbezogen, erklärt Meryam Schouler-Ocak. Antidepressive Medikamente sind im Rahmen der Behandlung zum Teil zusätzlich erforderlich. Auch wenn bei Kindern und Jugendlichen besonders auf die Dossierung geachtet werden muss, „sind sie besser als ihr Ruf“, ist sie überzeugt.

Quelle: netdoktor - Text: 2007 Ulrich Zoeger - Artikel vom: 06.01.2007