Bewerbung, Auswahlverfahren Assessment Center

Auswahl von Führungsnachwuchs mittels Assessment Center

Assessment Center (AC) sind ein- bis dreitätige Veranstaltungen, in denen die Bewerber unter anderem mit Interviews, Test, Bearbeitung von Fallstudien, Gruppendiskussionen und Rollenspielen konfrontiert werden – also mit Simulationen von Situationen, wie sie im „wirklichen“ Berufsalltag vorkommen.

Entwickelt wurde das AC in den USA und zwar zur Rekrutierung von Offizieren. Seit den 50er Jahren wird es zur Personalauswahl in Unternehmen eingesetzt.
Beurteilt wird dabei die umfassende Eignung für die Anforderungen einer Führungsnachwuchsposition wie z.B.

  • analytische Fähigkeiten
  • kommunikatives Verhalten
  • Teamfähigkeit und Umgang mit Menschen
  • Umgang mit Stresssituationen
  • Risikobereitschaft
  • Verhandlungsgeschicke
  • Organisation- und Planungsfähigkeit
  • Konzentration und Ausdauer.

An einem Assessment Center nehmen bis zu 12 Bewerber teil, häufige solche, die schon durch ein vorangegangenes Vorstellungsgespräch in die engere Wahl gekommen sind. Hinzu kommen 1-2 Moderatoren, die durch das AC führen und die Aufgabenstellung erklären, sowie 4-6 Beobachter die das Verhalten der Bewerber begutachten. Die Beobachter können beispielsweise Psychologen, externe Berater, Personalverantwortliche und/oder Führungskräfte des Unternehmens sein.

Vorteile des AC sind aus der Sicht der Unternehmen folgende:

  • Die einzelnen Teile des AC bringen durch die Natur der Aufgabenstellungen ein großes Maß an Realität und Praxisnähe.
  • Das tatsächliche. – und nicht das gemutmaßte – Verhalten. unterliegt der Beurteilung, besonders die soziale Kompetenz.
  • Das Verfahren berücksichtigt Komponenten, die auch am Arbeitsplatz eine Rolle spielen: Dynamik, Interaktion und gegenseitige Abhängigkeit.
  • Talente, Charakteristika und Neigungen werden durch die Teilnahme mehrer Bewerber zuverlässiger identifiziert und gemessen. Die Beurteilung ist aufgrund mehrer Beobachter objektiver und gerechter.
  • Der Kandidat erhält durch die praxisorientierte Übungen die Gelegenheit, die Aufgaben und Anforderungen seines zukünftigen Arbeitsplatzes daraufhin zu prüfen. Er kann feststellen, ob sie einen Vorstellungen und Neigungen entsprechen und sich ggf. gegen die Position entscheiden.

Schlechte Erfahrungen, die Teilnehmer von Assessment Centern gemacht haben, lassen sich in der Regel erklären:

  • mit unprofessionellen, nicht speziell geschulten Beobachtern,
  • mit Aufgaben und Übungen, die nicht exakt am Anforderungsprofil der zu besetzenden Stelle ausgerichtet sind,
  • und mit Beurteilungskriterien, die für die Teilnehmer nicht transparent sind.

Leider werden Assessment Center nicht von allen Unternehmen mit der gleichen Seriosität und Professionalität durchgeführt.

Professionell durchgeführte Assessment Center haben folgende Merkmale:

  • Mehrfachbeurteilung: Jeder Kandidat wird von mehreren Beobachtern eingeschätzt.
  • Verhaltensorientierung:: Es werden nur solche Übungen eingesetzt, die realistische Rückschlüsse auf das Arbeitsverhalten der Teilnehmer zulassen.
  • Methodenvielfalt: Es erden mehrere Methoden miteinander kombiniert, um Fehler auszuschließen.
  • Anforderungsbezogenheit: Die Beurteilung erfolgt nach Kriterien, die den Anforderungen einer Position entsprechen.

Bestandteile des AC-zu einem AC gehören in der Regel folgenden Bausteine:

  • eine Eröffnungs- und Vorstellungsrunde,
  • eine Postkorb-Übung,
  • eine Gruppendiskussion,
  • Rollenspiele,
  • Präsentation, Referat oder Vortrag,
  • Fallstudien,
  • Interviews,
  • Tests und eine Abschlussrunde

Nicht in allen Assessment Centern finden sich sämtliche Bausteine. Bei manchen Unternehmen wird eine Auswahl aus den vorgestellten Elementen getroffen. Zu jedem Assessment Center gehört nicht nur fachliches Können, sondern immer auch eine Portion Glück. Es ist verhältnismäßig leicht durchzufallen, da letztlich immer nur ein Bewerber die Stelle bekommen kann; auch der zweite Sieger hat also schon verloren. Nehmen Sie daher eine Niederlage nicht zu schwer, sondern nutzen Sie die Gelegenheit weiter zu üben, um in Bewerbungssituationen immer sicherer aufzutreten.

Text: Anja Steinsieker - Artikel vom: 22.02.2007