Schlösser des Barocks und ihre Auferstehung

Für ein Kunstprojekt sollen Schlösser des Barock visualisiert und in 3D dargestellt werden (Architektur Visualisierung). Die typischen Schlösser können später auf einer Internetseite interaktiv betrachtet werden.

Die neuen Möglichkeiten der 3D Visualisierung eröffnen Interessierten, Studenten und Wissenschaftlern völlig neue Wege, die damalige Baukunst nachzuvollziehen und zu verstehen. Die Besonderheiten der Schlösser des Barocks sollen hierbei hervorgehoben werden. Im Folgenden soll kurz auf diese Besonderheiten eingegangen werden.

Schlösser des Barocks sind Mittelpunkte weiträumiger Anlagen, die das Luxusbedürfnis der absolutistischen Fürsten zur Schau stellen und ihre Macht repräsentieren. Die Eingangsseite öffnet sich vielfach als »cour d'honneur« oder Ehrenhof, oft von den zwei Seitenflügeln des Schlosses gerahmt. Auf der Rückseite setzt sich das Bauwerk in einem ausgedehnten, architektonisch gestalteten Park fort. Nur in seltenen Fällen, wie in Herrenhausen bei Hannover, ist er in ursprünglicher Form erhalten. Viele wurden später zu Landschaftsgärten, zu so genannten »Englischen Gärten« umgestaltet. Alte Stiche vermitteln uns noch ein Bild dieser barocken Schlossanlagen, so der Plan für Pommersfelden, der allerdings nur teilweise zur Ausführung gelangte. Das Schloss Weißenstein ließ sich der Fürstbischof von Bamberg, Lothar Franz von Schönborn, der gleichzeitig Kurfürst von Mainz war, 1711-18 von Johann Dientzenhofer als Sommer-und Ruhesitz errichten.

Die drei Schlossflügel in Pommersfelden werden von Eckpavillons eingefasst. Weit springt der reich verzierte Mittelbau mit dem Festsaal vor, dem das Treppenhaus im gleichen Baukörper vorgelagert ist. Der Garten davor zieht sich in vier breiten Terrassen den sanft abfallenden Hang hinab. Er entfaltet sich symmetrisch zu der die ganze Anlage beherrschenden Mittelachse. Die erste Terrasse stützt eine Mauer ab, auf deren Balustraden im Wechsel Vasen und musizierende Putten stehen. Von hier überschaut man das Zierparterre, zu dem doppelläufige Treppen hinabführen. Seine arabeskenartigen Pflanzenornamente erinnern an eine Stickerei, weshalb es auch Broderie-Parterre genannt wird. Rasenböschungen leiten zur zweiten Terrasse über, in deren Mitte eine prächtige Wassertreppe mit Gruppen von Fontänen liegt. In drei Kaskaden rauscht das Wasser herab, seitlich von Treppen begrenzt. Im unteren Becken sprengt uns das Dreigespann Neptuns entgegen, von zwei hornblasenden Tritonen begleitet. Kleine Waldstücke mit hohen, glatt geschnittenen Laubwänden erwarten jetzt den Besucher.

Text: Lars Wienke - Artikel vom: 21.10.2006